1 Dajas

Juristische Dissertationen Datenbankobjekt

18689

Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen:Alter­tüm­liche Titel, zeit­ge­mäße Inhalte

Seit diversen öffentlichkeitswirksamen Plagiatsskandalen stehen gerade rechtswissenschaftliche Doktorarbeiten unter dem Verdacht, keine rechte Leistung zu dokumentieren. Dabei haben es aktuelle Jura-Dissertationen wirklich in sich.

Abseits der juristischen Branche liest kaum ein Mensch die Dissertationen des rechtswissenschaftlichen Fachs. Das ist ein wenig traurig, denn diese juristische Publikationsform kann uns vieles erklären. Beispielsweise kann sie dabei helfen, etwas Substanz in die Diskussion um "Netzneutralität" zu bringen – vielleicht sogar ein wenig politische Dynamik.

Auch die Frage, woher die Lust am Strafen kommt, betrifft ein Thema, das eine Gesellschaft nicht Polizeigewerkschaftspressesprechern überlassen sollte, die ihre Beruhigungsmittel einzunehmen vergessen haben. Über Strafbegründungen in den letzten Jahrzehnten wurde systematisch geforscht, ein Blick darauf kann lohnen.

Ebenso lassen sich juristische Arbeiten lebenspraktisch verwenden: Dem pubertierenden Nachwuchs, der den Eltern eines Morgens verkündet, nur noch vegan essen zu wollen, könnte man beispielsweise ein Studium einer lebensmittelrechtlichen Dissertation verordnen oder die Lektüre einer Studie zum "Recht auf Nahrung", um die Luxusprobleme des modernen Lebens ein wenig zu relativieren.

Das Recht ist bekanntlich keine statische Ordnung, aber wer nur auf Gerichtsentscheidungen oder die Gesetzgebung schaut, um Entwicklungen zu beobachten, blickt sicher zu kurz. Diese Bilderreihe präsentiert, ohne jeden Anspruch auf Repräsentativität, einige neuere Doktorarbeiten, die das Recht in Bewegung zeigen.

12997

Promotions-Datenbank Thesius:Nie wieder doppelte Themen?

von Julia Ruwe

26.08.2014

Der Gedanke, dass ein Kollege aus Heidelberg eine Arbeit zum eigenen Thema veröffentlicht, während man selbst gerade in Hamburg sitzt und Druckfahnen Korrektur liest, kann einem Doktoranden schlaflose Nächte bereiten. Das Mainzer Startup Thesius will Promotionsstudenten künftig vor solchen  Hiobsbotschaften aus dem Bibliothekskatalog bewahren.

"Zu der Frage, ob eigenmächtiges Geldwechseln Diebstahl ist, liegen aus neuerer Zeit vier Aufsätze und fünf Dissertationen vor. Spätere Rechtshistoriker müssen zu dem Eindruck kommen, dass das eigenmächtige Geldwechseln sich Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu einer Epidemie entwickelt hat." Mit diesem Zitat aus einem Festschriftbeitrag von Friedrich Christian Schroeder aus dem Jahr 1989 vermittelt Peter Mankowski, Hamburger Rechtswissenschaftler und Neubearbeiter von Ingo von Münchs Standardwerk "Promotion", einen Eindruck von den Alltagssorgen, die den typischen Jura-Doktoranden umtreiben.

Dass eine eng umgrenzte Spezialfrage vier Aufsätze und fünf Dissertationen füllt, ist kein Einzelfall und muss auch kein Zeichen von Redundanz sein. Neue Gesetze, aktuelle Rechtsprechung, gesellschaftliche und politische Entwicklungen liefern immer wieder Gründe, ein und dasselbe Thema neu zu betrachten und aufzuarbeiten.

"Wenn man sich einmal die Mühe macht, zwei Doktorarbeiten mit fast identischen Titeln nebeneinander zu legen, dann wird man schnell feststellen, dass sich dahinter doch ganz Verschiedenes verbergen kann: Gliederung, Argumentation und Tiefe der Bearbeitung können stark variieren. Als Wissenschaftler ist man geradezu darauf angewiesen, dass eine Fragestellung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird, nur so ist ein Diskurs möglich", erläutert Mankowski im persönlichen Gespräch. "Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe."

Was passiert, wenn zwei Dissertationen dasselbe Thema behandeln?

Eine Doktorarbeit soll aber – so regeln es auch die Promotionsordnungen der Universitäten - eine wissenschaftlich beachtliche Abhandlung sein, welche die Befähigung des Doktoranden zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit nachweist. Das bedeutet nicht nur, dass sich eine Dissertation mit allem bisher zum Thema Erschienenen auseinandersetzen muss, sondern auch, dass sie etwas Neues zum wissenschaftlichen Diskurs beitragen soll.

In vielen Fächern sind dies persönliche Analysen einer Problematik, bei denen eine Identität der Aussagen höchst unwahrscheinlich ist, auch wenn sie dasselbe Thema betreffen. Gerade wenn aber der Kern der Arbeit ein bestimmtes Forschungsergebnis oder – wie beispielsweise in juristischen Arbeiten üblich –eine Zusammenstellung der bisher zu einem Thema erschienenen Literatur nebst Analyse ist, ist es durchaus möglich, dass zwei voneinander unabhängig erstellte Arbeiten Überschneidungen aufweisen können.

Wenn dies in einem Stadium passiert, in dem die eigene Arbeit schon zu weit fortgeschritten ist, um sich noch einem neuen Thema zu widmen , muss der später Publizierende sich mit der vorher erschienenen Dissertation inhaltlich auseinandersetzen. Zum einen, weil dies wissenschaftlich nötig ist. Zum anderen aber auch, weil sonst leicht der Vorwurf im Raum steht, der spätere Kandidat habe sich beim früheren bedient.

Insbesondere wenn man aber eine wissenschaftliche Karriere plant, ist es unabdingbar, ein vollkommen eigenständiges Thema zu bearbeiten, um sich auf einem Gebiet einen Namen zu machen. Eine Doppelung der Themen kann den Super-GAU bedeuten.

Intelligente Suche nach Publikationen

Den will seit Beginn 2014 nun Thesius.de verhindern. Wenn es nach den Gründern dieses Mainzer Startups gehen soll, werden es Doktoranden in Zukunft einfacher haben, sicherzustellen, dass ihr Thema noch Potenzial für eine Veröffentlichung besitzt.

Bisher war man darauf angewiesen, die einschlägigen Datenbanken nach Passendem zu durchsuchen: Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), der Karlsruher Katalog, auch Google und Amazon müssen befragt werden. Eine Garantie für Vollständigkeit liefert die Suche nicht – auch weil nicht alle Themen, welche eine Dissertation bearbeitet und zusammenführt, immer aus dem Titel der Arbeit hervorgehen.

Thesius bietet seinen Nutzern eine Datenbank, die mittelfristig alle deutschen Dissertationen seit 1960 auffindbar machen soll. "Die Suchfunktion beinhaltet dabei anders als bestehende Kataloge auch eine Suche nach Inhaltsindizes, sodass nicht nur nach der genauen Zeichenkette eines Begriffs gesucht wird, sondern eine Suche nach bestimmten Sachkategorien möglich ist", berichtet Michael Grupp, Rechtsanwalt und Geschäftsführer von Thesius. Seine eigene Promotion ruht derzeit, damit er hauptamtlich den Aufbau des Projekts begleiten kann.

Leave a Comment

(0 Comments)

Your email address will not be published. Required fields are marked *